Mein Bruder und ich wollten als Schüler unbedingt von Berlin aus an die Ostsee fahren, hatten aber kein Geld. Daher beschlossen wir, mit dem Rad zu fahren. Durch die damalige DDR durften wir natürlich nicht mit dem Rad. Daher fuhren wir zu einem Zollhof an der Autobahn, klapperten die LKW´s ab und fragten, ob uns jemand mitnehmen könnte. Endlich sagte ein Fahrer ja und wir wurden hinten mit den Rädern in den LKW gesperrt. Der LKW hatte Zeitungen geladen und so konnten wir einigermaßen bequem liegen, bis wir in Hamburg wieder raus durften. Wir fuhren dann von Hamburg bis Kiel mit den Rädern durch, stellten unser Zelt an der Ostseeküste auf.
Als Tagessatz für unsere Verpflegung hatten wir 2 Mark. Damit kam man ja nicht weit. Wir kauften noch einen ESBIT-Kocher, damit wir uns etwas heißen Tee oder eine Erbstwurstsuppe kochen konnten.
Mit dem Rad unterwegs wurden wir auch zum Essen eingeladen: so machte uns eine Bahnhofswirtin, die eigentlich nur Alkohol ausschenkte, gratis eine riesige Platte mit Kartoffeln, Speck und Eiern und freute sich an unserem großen Appetit. Ein schönes Erlebnis!
Aber auch gegenteilige Erlebnisse mussten wir erfahren: innen bereits verschimmeltes Brot wurde uns verkauft und schmälerte damit unser eh schon karges Ernährungsbudget.
So erfuhren wir schon mit 17 Jahren viel über diese Welt und ihre Bewohner. |