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Fritz Genschow (1905-1977), der Onkel Tobias vom RIAS

23.05.2010
Von: Lothar
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Onkel Tobias vom RIAS

Die Medien hatten wenig Chancen bei uns. Fernsehen gab es noch nicht, jedenfalls nicht bei uns, und wir vermissten es auch nicht. Die Eltern hörten abends auch kein Radio. Da wurden Schallplatten aufgelegt. Klassische Musik auf 33er Platten, pro Seite eine halbe Stunde. Wir hatten auch eine Zeitung abonniert, und unsere Mutter las jeden Morgen den Fortsetzungsroman. Dabei hörte sie auch Radio - Frühsport ("den Rücken beugt - tiefer - noch ein bisschen - ja!") oder die damaligen Hits wie "Funiculi Funicula" oder "Charmaine", gespielt von Mantovani.

Die Eltern gingen abends gern aus. Ins Konzert, und danach noch auf ein Glas Wein. Dann hatten wir das Wohnzimmer - und damit das Radio - für uns. Es gab nämlich nur ein einziges Radio im gesamten Haushalt. Nein, zwei: Ein weiteres stand im Elternschlafzimmer, aber das war off limits. Da hatten wir nichts zu suchen. (Ich schlich mich trotzdem immer hinein - montag abends, für die "Schlager der Woche").

Eine beliebte Sendung war "Sei Findig Berliner". Es wurden zehn Minihörspiele vorgeführt, und man musste Fragen dazu beantworten. Einmal zum Beispiel wurde eine Szene gesendet, in der der Strom ausgefallen war. Trotzdem hörte man Geräusche wie die Türklingel oder das Telefon oder eine Spielzeugeisenbahn oder einen Elektrorasierer. Man musste die Fehler* notieren. Sehr spannend war das, und man konnte die Lösung auf eine Postkarte schreiben und an den Sender schicken. Den SFB, versteht sich. Zum Schluss kam immer ein Minikrimi mit einem Kommissar, der seinen trotteligen Assistenten ("Wumme!!!") anschnauzte.

Sonntags vormittags um 10 gab es "Onkel Tobias vom RIAS", eine mehr oder weniger lehrreiche Kindersendung. Parallel dazu wurde auch ein Buch herausgebracht, in dem so wichtige Informationen enthalten waren wie z.B., dass es keinen Reim auf "Erbse" gibt. Selbst in Goethes Faust sei keiner zu finden. Das musste ich nachprüfen und tat es auch gewissenhaft, indem ich Zeile für Zeile die letzten Wörter in unserer ledergebundenen Dünndruckausgabe las. Onkel Tobias hatte recht.

Immer noch im Ohr ist mir der Schlussspruch der Sendung: "Und nächsten Sonntag pünktlich dann stellt wieder ihr das Radio an. Gleiche Welle, gleiche Stelle, und seid mit Eurem RIAS zu Gast bei Onkel Tobias".

Hier können Sie Onkel Tobias auf YouTube hören und sehen

* Nein, nicht vier Fehler, sondern gar keiner. Türklingel und Telefon hatten damals eigene Stromkreise, und die Bahn und der Rasierer waren batteriebetrieben. Wir sind auch darauf hereingefallen - aber das war ja der Witz daran.


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