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Mein Anarcho-Shirt

11.10.2009
Von: Lu
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Alternative Mode in den 80ern

Mit 16 begann meine ausgedehnte Alternativ-Phase.
Dazu gehörten der Gemüseanbau im Hügelbeet wie auch das Ausüben verschiedener Musikrichtungen - südamerikanisch, mittelalterlich und klassisch - auf diversen Instrumenten, wie Gittare, Krummhorn und Cornamuse. Die Kleidung musste natürlich dazu passen. Und die grauen Herrenunterhemden waren damals für junge alternative Damen total in. Einer meiner Mitmusiker war Maler und verzierte das abgebildete Shirt mit einem Bild frei nach dem Anarcho-Comiczeichner Gerhard Seyfried, incl. dem anarchistischen A mit dem Kreis drum herum. - Meiner Mutter war das Teil ein Greuel, obwohl ich die Ränder in stundenlanger Handarbeit mit einem schwarzen Band einfasste, was ich ungeheuer schick und individuell fand. Als sie mich fragte, was das A mit dem Kreis zu bedeuten habe, gab ich zurück, dass ja schließlich unser Nachname damit anfing. Diese Antwort hat sie nur so lange zufrieden gestellt, bis sie das A auf diversen Hauswänden entdeckte und von seiner anarchistische Aussage erfuhr. - Mit Anarchie hatte ich im übrigen nichts zu tun, eher mit Comics.
Dazu kombinierte ich einen Baumwollschal, Jeans und - ganz wichtig - offene Lederschlappen.
Regelmäßig verschwand das Shirt aus meinem Kleiderschrank. Ich wusste dann immer schon, dass Mutter es wieder einen Altkleidersack gesteckt hatte, in der Hoffnung, dass ich es nicht merke.
Ich habe es immer gemerkt und konnte es jedes Mal retten. Erst später fiel mir auf, dass sie es ja einfach entsorgen hätte können...
Auch heute, 28 Jahre später, liegt mein Anarchoshirt noch im Schrank. Ab und zu nehme ich es in die Hand und schaue ihm zärtlich beim Zerfall zu.

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